Über das Projekt

Willkommen auf der Website des Projekts „Politik und Poetik von Toponymie, Identität und Ort in mehrsprachigen Gebieten. Eine vergleichende Studie von Kärnten (Österreich) und dem Teschener Gebiet (Tschechien)“. Hier finden Sie Informationen zum Projekt, über die beteiligten Forscher und die zwei Untersuchungsgebiete.

Das Projekt untersucht amtliche und nichtamtliche Ortsnamen in zwei von Minderheiten bewohnten Grenzgebieten – Kärnten in Österreich (mit einer autochthonen slowenischen Bevölkerungsgruppe) und das schlesische Teschener Gebiet in Tschechien (mit einer polnischen Bevölkerungsgruppe). Das Forschungsteam befasst sich mit Ortsnamen im öffentlichen Raum (vornehmlich mit zweisprachen Aufschriften in diesen Gebieten) wie auch mit nichtamtlichen Ortsnamen wie sie in der täglichen Kommunikation unter Einheimischen, sowohl der sprachlichen Mehrheit als auch der Minderheit, verwendet werden.

Das Projektteam sieht Ortsnamen als wesentliche Bestandteile der sprachlichen Landschaft an. Von den grundlegenden Werken Tuans und Bassos angeregt, betrachten wir Ortsnamen als Mittel, durch welche Menschen eine Beziehung zu jenem geographischen Raum herstellen, den sie bewohnen. Unter diesem Aspekt sind Ortsnamen in mehrsprachigen Gebieten besonders interessant. Sie zeigen die verschiedenen Prozesse der Bildung einer sprachlichen Landschaft durch verschiedene Gruppen der örtlichen Bevölkerung. So ermöglichen sie es, das Wesen von Ortsnamen im Detail zu erkennen.

Die zwei Untersuchungsgebiete haben etliche Merkmale gemeinsam – von ihrer Grenzlandlage bis zur Anwesenheit einer ethnischen und sprachlichen Minderheit. In beiden Gebieten war die Einführung zweisprachiger Ortstafeln mit politischen Konflikten verbunden. Es ging um die Sichtbarkeit der Minderheit, und sie löste Diskussionen über die historischen Beziehungen zwischen Minderheit und Mehrheit aus. Die Kooperation zwischen einem tschechischen und einem österreichischen Forscherteam soll der vergleichenden Studie größere Tiefe verleihen und wird wohl Schlüsse zulassen, die bei einer nur einseitigen Untersuchung nicht möglich wären. Wir hoffen dadurch besser die diskursiven und narrativen Prozesse verstehen zu können, die mit der Einführung von zweisprachigen Ortstafeln verbunden sind, aber auch die Beziehungen zwischen Ort, Landschaft, Name und Identität im weiteren Sinne.

Wir wenden in der Feldforschung verschiedene Methoden an, um zu einem besseren Verständnis der Politik und Poetik der alltäglichen Ortsnamenverwendung in einer mehrsprachigen/multiethnischen Situation zu gelangen. Wir untersuchen die Verwendung von Ortsnamen in archivarischen und amtlichen Quellen. Wir betreiben Diskursanalyse der aktuellen sprachlichen Landschaft mit einem Fokus auf der Minderheit und auf Ortsnamen in zwei Sprachen (einschließlich Fotodokumentation, GIS-gestützter Analyse und Visualisierung) und wir führen umfangreiche Feldforschungen mit dem Augenmerk auf Kenntnis, bevorzugter Verwendung und kultureller Bedeutungszuschreibung von Ortsnamen durch (qualitative Interviews und Umfrage mittels Fragebogens).

Das Projekt läuft über drei Jahre. Im ersten Jahr betreiben beide Teams umfangreiche Literaturstudien und Quellensuche in örtlichen Archiven. Im zweiten Jahr wird die Mehrzahl der qualitativen Interviews mit Bewohnern der zweisprachigen Gebiete durchgeführt, anschließend werden Fragebögen in ausgewählten Orten verteilt. Im dritten Jahr schließlich werden ein Buch und zwei Artikel zur Publikation vorbereitet sowie eine internationale Konferenz zum Thema „Ortsnamen, Landschaften und Minderheitenrechte“ in Wien veranstaltet.

Weitere Informationen über das Projekt finden Sie im Projektantrag hier